Dänische Zensurliste
Eine dieser so beworbenen Maßnahmen ist die Gesetzesänderung, die hier besprochen wurde. Inwieweit es den immer jüngeren Kinder helfen soll, die Schutzaltersgrenze auf 18 Jahre hoch zu schieben, und inwieweit es den Opfern immer gewalttätigerem Missbrauchs helfen soll, die Tatbestände auf selbstbestimmtes Posieren ohne jede Gewalt oder Missbrauch zu erweitern, sei mal dahingestellt.
Eine andere solche Maßnahme ist die von Frau von der Leyen vorgeschlagene Filterung von "Kinderporno"-Seiten im Internet. Frau von der Leyen drückte in diesem Interview auf die gleiche Tube:
Abendblatt: Was wissen Sie über die Opfer?
Ursula von der Leyen: Die Kinder werden immer jünger. Jedes dritte Opfer von Kinderpornographie ist jünger als drei Jahre. Das werden durch brutale Vergewaltigungen Kinderseelen und Kinderkörper zerfetzt. Und: Die Bilder und Filme der Kinderpornographie werden immer gewalttätiger. Manche Ermittler beim Bundeskriminalamt brauchen psychologische Begleitung, weil sie die gellenden Schreie der Kinder auf den pornographischen Videos kaum ertragen können.
Abendblatt: Wie groß ist die Kinderporno-Szene in Deutschland?
Ursula von der Leyen: Es gibt eine riesige Dunkelziffer. Es wird immer mehr über kommerzielle Websites verbreitet. Da werden Millionenbeträge verdient. Pornographische Videos, auf denen Kinder gequält und gefoltert werden, werden allein in Deutschland bis zu 50.000 Mal im Monat heruntergeladen. Die Bandbreite reicht vom Pädokriminellen bis zum User, der wahllos sucht und ignoriert, dass er sich gerade die Einstiegsdroge besorgt.
Es gibt also angeblich immer mehr kommerzielle Websites, mit denen Millionenbeträge verdient werden, die pornographische Videos verkaufen, auf denen Kinder gequält und gefoltert werden. Bilder von brutale Vergewaltigungen mit zerfetzten Kinderkörper, zu einem Drittel von Dreijährigen.
Lesen wir weiter, was man dagegen machen kann:
Ursula von der Leyen: Wir schließen die Datenautobahn der Kinderpornographie. Das BKA erstellt Listen der kinderpornographischen Websites. Jetzt sollen die Zugangsanbieter gesetzlich verpflichtet werden, die Listen zu beachten und solche Websites unverzüglich zu schließen. Der Kunde klickt an und läuft ins Leere - kein Anschluss unter dieser Nummer. Das ist technisch möglich, und es ist rechtlich möglich. Es gibt Länder, die das seit Jahren erfolgreich machen: die skandinavischen Länder, Großbritannien, die Schweiz, Italien...
Richtig, wie großartig das in Großbritannien funktioniert, darüber durften wir uns ja gerade im Dezember wundern. Es gehört zwar eigentlich nicht in dieses Blog, aber wen es interessiert, ich hatte das hier und hier mal kommentiert.
Warum ich diese Filterpläne nun doch erwähne, ist, dass ich auf die hochinteressante Tatsache gestoßen bin, dass die eigentlich geheim gehaltene dänische Filterliste nun vor kurzem auf Wikileaks veröffentlicht wurde.
Hier haben wir also eine Liste mit 3863 Webseiten, die Frau von der Leyen auch bei uns filtern möchte. Wir können hier also überprüfen, ob es tatsächlich viele solcher kommerziellen Webseiten mit zerfetzen Körpern von Dreijährigen gibt, die dann durch Filterlisten richtig selektiert werden.
Bitte sehr: Gehen Sie zu http://wikileaks.org/wiki/Denmark:_3863_sites_on_censorship_list,_Feb_2008 , und klicken Sie mal 30 bis 40 Links aus der Liste an. Sie müssen ja nichts kaufen.
Wie bitte, Sie trauen sich nicht? Sie haben Angst, sich strafbar zu machen? Haben sie denn das Grundgesetz nicht gelesen? Artikel 5 "Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.
Ach so, Sie meinen, unser Staat interessiert sich nicht mehr für das Grundgesetz, das kann Sie nicht mehr schützen. Ich verstehe, ja, da haben Sie vermutlich leider recht. Sind wir schon so weit? Wir hatten mal eine Zeit, da durfte man in Deutschland nicht BBC hören, das hatten die Nazis verboten. In der DDR trauten sich viele nicht, Westfernsehen zu schauen, weil man sich nicht bei der Stasi , die vermutlich irgendwo mithört, verdächtig machen wollte.
Und jetzt ist es wieder so, man darf sich nicht selber und unabhängig informieren oder jedenfalls traut man sich nicht? Man will keinen Ärger, denkt an Vorratsdatenspeicherung. Unsere Führer werden schon wissen, was sie tun, wir sollten das nicht hinterfragen? Ja, es ist tatsächlich wieder so. Herr Schäuble, warum ärgern Sie sich, wenn sie doch nur mit "Stasi 2.0" etikettiert werden?
Nachtrag 6.1.2009:
Was ich vorhatte, haben andere Benutzer bereits getan:
Verifiziert, ob diese Liste authentisch und noch aktuell ist (kurze Antwort: ja), ob sich diese Listen mit den Listen anderer Länder überschneidet (kurze Antwort: wesentlich) und ob die gesperrten Sites tatsächlich Kinderpornografie enthalten (kurze Antwort: kaum).
Ich möchte zunächst noch die Bemerkungen von Wikileaks zu der Veröffentlichung dieser Liste wiedergeben( (Quelle, Schnellübersetzung von mir):
Wikileaks hat die geheime Internet Sperrliste für Dänemark veröffentlicht. Die Liste enthält 3863 sites, die von Dänischen ISPs, die an Dänemarks Zensursystem teilnehmen, im Februar 2008 blockiert werden. Die Dänischen ISPs zensieren eher ihre Benutzer 'freiwillig', als rechtliche Auseinandersetzung zu führen und die drei größten ISPs nehmen daran teil.
Das System kann zur Zensur von Beliebigem benutzt werden, es ist aber für Seiten mit Kinderpornografie gedacht, die von der Dänischen Polizei oder der Dänischen "Save the Children" - Gruppe gefunden wurden.
Die Liste wird ohne richterliche oder öffentliche Aufsicht erstellt und von den ISPs, die sie benutzen, geheim gehalten. Die fehlende Notwendigkeit zur Rechtfertigung ist typisch für solche geheimen Zensursysteme.
Die meisten Sites der Liste werden immer noch zensiert (müssen also auch auf der aktuellen Liste sein), obwohl viele eindeutig den Eigentümer gewechselt haben oder sogar fälschlicherweise auf der Liste stehen, wie das Dänische Transportunternehmen Vanbokhorst.
Diese Liste wurde der Öffentlichkeit verraten, da Fälle wie Thailand und Finnland gezeigt haben, dass, wenn ein geheimes Zensursystem für Pornografie erstmal installiert ist, sich dieses System schnell entwickeln und andere Materialen abdecken kann, inklusive politischem Material zum schlechtesten möglichen Moment, nämlich, wenn die Regierung reformiert werden müsste.
Vor zwei Tagen hat Wikileaks die geheime Internet-Filterliste von Thailand veröffentlicht. Von den 1203 Sites, die in diesem Jahr zensiert wurden, sind alle intern mit der Begründung "Majestätsbeleidigung", also Kritik an der königlichen Familie, versehen. Wie in Dänemark wurde auch das thailändische Zensursystem als ein Mechanismus beworben, die Verbreitung von Kinderpornografie zu verhindert.
Bemerkungen andere Benutzer kurz nach der Veröffentlichung:
Sind die sicher? Ich muss auf 20-30 URLs der Liste angeklickt und KEINE enthielt IRGENDEINE Kinderpornografie
Politisches Klima in Dänemark zur Zensur Es wurde eine Gesetzesänderung im Dänischen Parlament vorgeschlagen (Link, in Dänisch) , nach der es illegal und mit bis zu einem Jahr Gefängnis strafbar wäre, die Liste zu veröffentlichen, um den Bürger die Möglichkeit zu geben zu überprüfen, ob die zensierten Sites tatsächlich Kinderpornografie enthalten.
Fast 10% stimmt mit der aktuellen Schweizer Liste überein Ich habe die Liste gegen das DNS eines Schweitzer ISPs (Cablecom) überprüft und gesehen, dass mindestens 308 DNS-Einträge in der Filterliste der Schweizer Zensurliste stehen: Ich habe diese Liste hier veröffentlicht: http://apophis.ch/node/106, Weiterverbreitung gestattet!
Fast alle Domains in der Liste sind immer noch gesperrt Es gab einige Vermutungen, dass viele der Domains in der Liste vom Februar jetzt [Anm: im Dezember] nicht mehr gesperrt wären, da sie nicht mehr aktiv sind. Um Spekulationen zu vermeiden, habe ich die Liste gegen einen filternden DNS-Server geprüft. Heute sind 3859 von den 3863 Domains immer noch zensiert. Die vier Domains, die nicht mehr zensiert sind, sind: loplz.com, rahman.fw.nu, realymodels.net and www.lolaa.nm.ru.
Überscheindung mit Schwedischer Liste (31.12.2008) 2823 der 3862 sind zur Zeit in Schweden zensiert (ISP: Bredbandsbolaget). 403 Namen sind ungültig, zensierte Namen werden zu 195.54.12.220 aufgelöst.
Und hier (Link - Englisch) hat sich jemand die Mühe gemacht,die 1047 Sites der Finnischen Zensurliste zu untersuchen:
| Art der Website | Anzahl | Anteil | Content legality |
| Blau - die Site ist völlig unerheblich | 9 | < 1 % | Legal |
| Grün - Die Site hat nichst mit Kinderpornografie zu tun | 879 | 84 % | Legal |
| Gelb- die Site enthält (bekleidete!) posierende Kinder | 46 | 4-5 % | Legal |
| Orange- mindestens ein kleiner Teil des eigenen oder verlinkten Inhalts könnte als Kinderpornografie gesehen werden | 28 | 2-3 % | unklar |
| Rot - Die Site enthält Material, das man kinderpornografisch nennen könnte | 9 | < 1 % | ILLEGAL |
| tote Seiten | 76 | 7-8% | |
Total | 1047 | 100% |

